Teil 2: Abnehmen ohne OP – Die Fett-weg-Spritze (Injektionslipolyse)
Im ersten Teil unserer Blog-Reihe haben wir uns mit der Abnehmspritze (GLP-1-Agonisten) beschäftigt, einem Medikament, das systemisch im gesamten Körper wirkt und zur Behandlung von starkem Übergewicht eingesetzt wird. Doch was ist mit den Menschen, die ihr Idealgewicht bereits erreicht haben oder nur leicht übergewichtig sind, aber dennoch an hartnäckigen lokalen Fettpolstern leiden? Trotz gesunder Ernährung und regelmäßigem Sport weigern sich bestimmte Fettdepots oft hartnäckig, zu verschwinden. Genau hier setzt die Injektionslipolyse an, die umgangssprachlich meist als „Fett-weg-Spritze“ bezeichnet wird. In diesem Beitrag beleuchten wir, wie dieses Verfahren funktioniert und für wen es sich eignet.
Was ist die Fett-weg-Spritze (Injektionslipolyse)?
Im Gegensatz zur Abnehmspritze, die den Appetit zügelt und zentral im Gehirn ansetzt, handelt es sich bei der Fett-weg-Spritze um ein lokal wirksames Präparat. Das bedeutet, der Wirkstoff wird zielgenau und millimetergenau direkt in das subkutane Fettgewebe (Unterhautfettgewebe) injiziert, das behandelt werden soll. Es findet somit keine Beeinflussung des Stoffwechsels im gesamten Organismus statt, und die Behandlung führt auch nicht zu einem allgemeinen Gewichtsverlust auf der Waage.
Der am häufigsten verwendete Wirkstoff in der Injektionslipolyse ist Phosphatidylcholin (PPC), meist in Kombination mit Desoxycholsäure. Phosphatidylcholin ist ein Naturstoff, der aus der Sojabohne gewonnen wird und im menschlichen Körper unter anderem im Gallensaft vorkommt, wo er für die Verdauung von Fetten zuständig ist. Die Desoxycholsäure dient dabei als Gallensäure, welche die Zellmembranen der Fettzellen angreift und durchlässig macht.
Der biologische Prozess: Wie schmilzt das Fett?
Der Vorgang nach der Injektion basiert auf einem biochemischen Prozess, der als Lipolyse (Fettauflösung) bezeichnet wird. Wenn das Präparat in das Fettgewebe gespritzt wird, zerstört die Desoxycholsäure die Zellwände der Adipozyten (Fettzellen). Das in den Zellen gespeicherte Fett wird dadurch freigesetzt. Das Phosphatidylcholin bindet dieses Fett und wandelt es in eine Emulsion um (eine Mischung aus winzigen Fetttröpfchen und Flüssigkeit).
Durch diese gewollte Zerstörung der Zellen entsteht im behandelten Areal eine künstliche, sterile Entzündungsreaktion. Diese Entzündung ist ein entscheidender und notwendiger Teil der Therapie. Sie ruft körpereigene Makrophagen (Fresszellen) auf den Plan, die das emulgierte Fett und die Zelltrümmer aufnehmen. Über das Lymphsystem und die Blutbahn werden diese Reste anschließend zur Leber transportiert, wo sie abgebaut und schließlich über den Darm und die Nieren auf natürlichem Wege ausgeschieden werden. Da erwachsene Menschen keine neuen Fettzellen mehr bilden, ist das entfernte Fettgewebe an dieser Stelle dauerhaft verschwunden.
Zielgruppe und Anwendungsbereiche
Die Fett-weg-Spritze ist kein Verfahren zur Gewichtsreduktion und eignet sich nicht für Patienten mit Adipositas. Die ideale Zielgruppe sind schlanke, normalgewichtige oder leicht übergewichtige Personen, die an genetisch oder hormonell bedingten, isolierten Problemzonen leiden. Das Verfahren dient der gezielten Körperkonturierung und Modellierung.
Besonders gut reagieren kleine, weiche Fettdepots auf die Injektionslipolyse. Zu den klassischen Anwendungsgebieten gehören:
- Das Gesicht: Doppelkinn, Hängebäckchen.
- Der Oberkörper: BH-Röllchen am Rücken, kleine Fettpolster an den Achseln, Männerbrust (Gynäkomastie, sofern durch Fett bedingt).
- Die Körpermitte: Unterbauch, kleine Flanken (Hüftgold).
- Die Beine: Reiterhosen, Fettpolster an den Innenseiten der Oberschenkel oder an den Knien.
Ablauf, Behandlungsrhythmus und Heilungsprozess
Eine Behandlung dauert meist nur 15 bis 30 Minuten. Nach einer Desinfektion des Areals wird der Wirkstoff mit feinen Nadeln in einem Rastermuster in das Fettpolster injiziert. Je nach Größe des Areals sind mehrere Einstiche notwendig.
Da der Körper Zeit benötigt, um das aufgelöste Fett abzutransportieren, sind die Ergebnisse nicht sofort sichtbar. Der Abbauprozess dauert etwa vier bis acht Wochen. Oft reicht eine einzige Behandlung nicht aus, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. In der Regel werden 2 bis 4 Sitzungen im Abstand von jeweils etwa 6 bis 8 Wochen empfohlen.
Nebenwirkungen: Die Entzündung als Teil der Therapie
Patienten müssen nach der Behandlung mit Begleiterscheinungen rechnen, die jedoch harmlos und ein Zeichen für die Wirksamkeit der Methode sind. Das behandelte Areal wird anschwellen, rot werden und sich warm anfühlen. Zudem entsteht ein Schmerz, der mit einem starken Muskelkater oder einem blauen Fleck vergleichbar ist. Druckempfindlichkeit und Juckreiz können für einige Tage bis hin zu zwei Wochen anhalten. Durch die Entzündung wird in der Lederhaut auch die Kollagenproduktion angeregt, was als positiver Nebeneffekt zu einer leichten Straffung der Haut über dem geschmolzenen Fettpolster führen kann.
Fazit zu Teil 2
Die Fett-weg-Spritze ist ein hervorragendes Instrument der ästhetischen Medizin, um die Körperkontur bei normalgewichtigen Menschen fein zu modellieren. Sie ersetzt keine Diät, befreit aber von hartnäckigen kleinen Fettdepots, die sich durch Sport nicht beseitigen lassen. Eine Alternative zur Injektion, die ebenfalls lokal wirkt, aber völlig ohne Nadeln auskommt, ist die Kryolipolyse. Wie man Fettzellen einfach „wegfrieren“ kann und welche der drei vorgestellten Methoden nun am besten zu Ihnen passt, klären wir im dritten und letzten Teil unserer Reihe.